Infinity Fields
Aufnahme aus dem Studio Zehn, 2024.
Der abstrakte Realismus der Infinity Fields basiert auf Studien von Sonnenauf- und -untergängen. Jedes Mal, wenn ich das Naturschauspiel betrachte, fühle ich mich erleichtert, glücklich und energiegeladen. Meine Malerei ist der Versuch, diese Emotionen zu teilen. So einfach das auch klingen mag, die endgültige Entscheidung, Farbfelder zu malen, basiert letztendlich auf den tragischen Entwicklungen der letzten Jahre. Die Verankerung der Angst in unserer Gesellschaft und die anhaltenden Kriege wie sie in Äthiopien, der Ukraine und Israel stattfinden sind meines Erachtens Ausdruck eines selektiven Humanismus. Barbarei, in ihrer schlimmsten Form, lässt mich zunehmend an der Menschlichkeit der Menschen zweifeln. Insofern ist meine Abwendung von den Menschen hin zu klaren, abstrakten Strukturen, einer beruhigenden Horizontalen und den Farbflächen zu verstehen und steht damit im Zusammenhang mit dem ästhetischen Diskurs nach Adornos Leitsatz „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben ist barbarisch“ (Kulturkritik und Gesellschaft, 1949).In diesem Sinne sind die Infinity Fields eine inhaltliche und formale Auseinandersetzung mit den Werken der Gruppe Zero um Otto Piene, Heinz Mack und Mark Rothko.
Durch den mehrschichtigen Farbauftrag wirkt die Farboberfläche körperlich. In bis zu 12 Tempera - Schichten mit brillanten, reinen Pigmenten sollen die großformatigen Werke den Betrachter aus seiner Gemütsverfassung holen und zum Nachdenken anregen. Durch die Verwendung von Tag- und Nachtleuchtpigmenten verändern sich die Gemälde je nach Intensität des einfallenden Lichts. Besonders in der Dämmerung, dem Zustand zwischen Bewusstsein und Schlaf, entwickeln die Infinity Fields eine besondere Strahlkraft. Die teils fluoreszierenden Farben treten stärker hervor – die Wahrnehmung des Betrachters verschwimmt.
The abstract realism of the 'Infinity Fields' is rooted in studies of sunrises and sunsets. Whenever I observe this natural spectacle, I feel a sense of relief, happiness, and renewed energy. My painting is an attempt to share these emotions. Simple as this may sound, the ultimate decision to paint fields of color stems from the tragic events of recent years. The entrenchment of fear in our society and ongoing conflicts—such as those in Ethiopia, Ukraine, and Israel—reflect, in my view, a form of selective humanism. Barbarism in its most extreme form makes me increasingly question human humanity. In this light, my shift away from the human figure toward clear, abstract structures, calming horizontal lines, and color fields must be understood in the context of the aesthetic discourse surrounding Adorno’s dictum: 'To write a poem after Auschwitz is barbaric' ('Cultural Criticism and Society', 1949). Thus, the 'Infinity Fields' represent both a thematic and formal engagement with the work of the ZERO group (Otto Piene, Heinz Mack) and Mark Rothko.
The application of multiple layers of paint gives the surface a tangible, physical quality. Comprising up to twelve layers of tempera made with brilliant, pure pigments, these large-scale works aim to lift viewers out of their current state of mind and invite reflection. The use of pigments that react to daylight and darkness causes the paintings to shift in appearance depending on the intensity of the ambient light. The 'Infinity Fields' take on a special radiance at twilight—that liminal state between wakefulness and sleep. The colors—some of which are fluorescent—become more pronounced, causing the viewer's perception to blur.